Liebe Elionore Brevent, schön, dass Sie Zeit haben uns ein paar Fragen zu beantworten. Stört es Sie eine Romanfigur zu sein?

Nein. Nicht wirklich. Immerhin bekommt die geneigte Leserin nur einen Bruchteil, und dann auch nur die wirklich spannenden Dinge meines Lebens mit. Der Rest, also das Durchschnittliche, Alltägliche, verläuft ja sozusagen im Dunklen. Und die Ich-Perspektive ermöglicht mir durchaus eine Selektion der Szenen. Ich muss den Leserinnen ja nicht mitteilen, dass ich mich am Hintern gekratzt habe.

Mein Leben ist auch eigentlich überhaupt nicht spannend, wenn man von den paar Weltrettungs-Missionen mal absieht.

Dafür bekomme ich jetzt sogar Fanpost. Okay, die bestand bis jetzt aus zwei Aufräumratgebern und einem Kochbuch mit dem Titel „Kochen für Oberdummies“, aber besser als nichts, oder?

 

Wie gehen Sie mit dem Schlafmangel um? Der ist ja doch enorm …

Danke für diese Frage! Bitte stellen Sie die doch mal Kristina Günak. Diese Frau ist einfach gnadenlos. In Band eins gab es keine (in Zahlen: 0!) Nächte, in denen ich durchgeschlafen habe. Frau Günak behauptet zwar, das dieser Umstand sich aus strukturellen Notwendigkeiten ergeben habe, aber hey: Sie ist die Autorin! Sie hätte mir wenigstens eine Nacht Tiefschlaf gönnen können. Glauben sie mir; jede Nacht hexen, blutende Gestaltwandler retten, fremde Magie anschauen und wichtige Aufträge von Elfen erhalten, geht wirklich an die Substanz!

Und deswegen lautete die richtige Antwort natürlich: Kaffee!

Das Zeug über den Tag verteilt, hält mich konstant auf Pegel. Vermutlich bestehe ich nur zu 10 % aus Wasser und zu 90 % aus Koffein. Tragischerweise hat letzte Woche mein geliebter Kaffeevollautomat seinen Geist aufgegeben. Selbst mein technisch durchaus begabter Freund konnte ihn nicht wiederbeleben. (Laut Hersteller ein akuter Fall von Überbeanspruchung.)

Wir sind ja mitten in Band drei und ohne Kaffee bin ich leider völlig kommunikations-unfähig. Schlimmer Zustand … ich … wortlos …

Aus Verzweiflung wollte ich schon das Kaffeepulver aus der Dose löffeln. Aber Vincent hat mir dann aus Klopapier und einem Küchensieb einen handgefilterten Kaffee produziert. Der Mann ist wirklich notfalltauglich. Ich liebe solche Männer. ;-)

 

Sind Sie wirklich so chaotisch?

Na, das ist ja mal eine Frage. Natürlich nicht. Frau Günak scheint da ihre eigene Hausarbeitsphobie zu verarbeiten. Sie schreibt meine Geschichte, geht sich einen Kaffee holen, kommt zurück (ihr Weg führt sie an der Waschmaschine vorbei), leichter panischer Blick im Gesicht und schreibt dann plötzlich unzusammenhängende Dinge über Wäscheberge.

 

Ich komme nicht umhin, Ihnen wenigstens eine politische Frage zu stellen. Wie stehen Sie der vampirischen Gesellschaftsform gegenüber? Immerhin verbindet Sie mit Nicolas, der dieser Randgruppe ebenfalls angehört, mittlerweile sogar eine Freundschaft.

Ich bitte Sie! Die Jungs trinken menschliches Blut und ein Mordauftrag geht ihnen so locker von den Lippen, wie Lothar sein Superman-Lied. Nein, ich bleibe bei meiner Meinung: Vampire sind die Arschlöcher unter den magischen Geschöpfen. Dieses Wissen habe ich schon mit der Muttermilch aufgesogen und es hat sich in den vergangenen Monaten mehr als bewahrheitet.

Aber um zum Kern Ihrer Frage zu kommen: Nicolas ist ein Halbvampir. Eine halbe Tütensuppe mit der gleichen Menge Wasser zubereitet, schmeckt ja auch nicht, wie eine ganze Tütensuppe. Er hat zum Glück wesentlich mehr hexerische Gene abbekommen, als vampirische.

 

Sie arbeiten als Immobilienmaklerin und das auch noch in Deutschland. Für dieses Genre, das ja auch ein klein wenig düster sein darf, ist der Ort doch recht ungewöhnlich. Hat Sie das niemals gestört? Es hätten ja auch Paris, New York oder die amerikanischen Südstaaten sein können? Außerdem sieht das Haus auf Ihrem Cover doch eher aus, als befände es sich in den USA, als in Niedersachsen …

In der Tat. Ich fand es gleich auf den ersten Blick wunderbar … und mein Haus hat tatsächlich eine solch überdachte Veranda. (Nur meine Locken finde ich ein wenig überdimensioniert. So schlimm ist der Zustand meines Haupthaars dann auch nicht.)

Zur düsteren Stimmung: Sind Sie schon mal bei Vollmond und Bodennebel durch einen deutschen Eichenwald geschlendert? Nichts für schwache Nerven, ich sage es Ihnen! Würde das Buch in Paris spielen, wäre das eher schlecht. Mein Französisch ist nämlich lausig und in Amerika gibt es nervig viele Gestaltwandler. Und dann nicht nur so harmlose Geschöpfe wie Mo, den Husky. Ne, die sind gleich als Bär, Puma oder Allesfresser unterwegs. Und Vampire gibt es dort auch wesentlich mehr als hier. Das ist mir persönlich viel zu gefährlich.

Ich finde Norddeutschland sehr gut und fühle mich hier pudelwohl. Außerdem ist mein Maklerbüro hier ansässig.

 

Apropos: Haben Sie denn heute schon eine „Hütte vertickt“?

Jep! Reihenendhaus, Carport, Jalousien im EG, Parkett im OG, schicke EBK und Garten nach Feng-Shui-Prinzip angelegt. Notarvertrag ist in zwei Wochen. Ist auch dringend nötig, schließlich brauche ich ja einen neuen Kaffeevollautomaten. Vincent filtert immer noch mit der Hand (er hat nur das Klopapier und das Sieb durch ein antiquierten Kaffeefilter aus Porzellan ersetzt).

 

Wie geht es weiter?

Soll ich jetzt spoilern? Das könnte mir meine Leserinnen eventuell übel nehmen. Aber so viel sei verraten: Der Maserati parkt immer noch vor meiner Tür, ich erfahre sehr sonderbare Dinge über meine Vergangenheit, wir bekommen mysteriösen Besuch und müssen an einen völlig artfremden (zumindest für mich als gemeine norddeutsche Erdhexe) Ort.

Und Vincent offenbart mir so einige Hintergrundinformation, die mich persönlich schon ziemlich kirre machen.

 

Jetzt sind wir am Schluss angekommen. Eine Frage noch: Haben Sie ein Lebens-Motto?

„Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest.“ R. M. Rilke

Oder das ist auch sehr nett: „Das Leben ist nichts als Veränderung“, sprach der Stein zur Blume und flog davon.

 

Herzliche Grüße

Eure Elionore Brevent